Bolivien 2 – Liebe auf den zweiten Blick

Potosi – Oruro (27.07. – 09.08. –  316 km – 2080 hm) – La Paz (Bus)
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Es ist so viel passiert und so wenig darüber geschrieben worden, dass unser Blog einen verwaisten Eindruck macht. Wir haben das Schreiben aber nicht vergessen und holen jetzt mithilfe unseres Tagebuches alles auf. Stück für Stück.
Wieder alleinLeaving PotosiNach einer Woche vier-Sterne-Pause in Potosi waren wir ordentlich durcherholt und mächtig reiselustig. Mittels verwirrender Straßenführung und verrückter Beschilderung versuchte Potosi alles um uns zu halten. Stundenlang kurvten wir durch dichten Verkehr. Minitaxis, Marktkarren, Busse, LKW – natürlich ohne Katalysator. Irgendwann waren wir bereit unser Schicksal zu akzeptieren: uns überfahren zu lassen während wir ersticken. Wir bogen noch um eine letzte Kurve und hatten es doch mal wieder geschafft; wieder waren wir allein in großartiger Altiplano-Weite.
Das ewige Gekurve in Potosi und das anschließende bergauf-bergab haben uns ziemlich aufgehalten. Es war reichlich spät, als wir die 40 Kilometer bis nach Yocalla geschafft hatten. In Yocalla ist man nicht auf Übernachtungsgäste eingestellt, mit gutem Grund. Nur Radfahrer scheuen die 1000 Höhenmeter, die man hinter dem Dorf erklimmen muss, mehr als eine Übernachtung hier. Wir fragten ein wenig herum und weil die Bolivianer so nett sind und niemanden draußen stehen lassen bekamen wir ein Zimmer für umgerechnet einen Euro angeboten. Der Raum ist direkt an der Kirche, mit einer Glühbirne und 18 originalverpackten Toilettenschüsseln ausgestattet. Lieber einen sauberen Fußboden als ein schmutziges Bett, wir haben ganz hervorragend geschlafen. Nur die Frage, was die Leute in Yocalla mit so vielen Toilettenschüsseln vor haben, hat uns noch eine Weile beschäftigt. Morgens kochten wir uns auf den Stufen vor der Kirche unser Radlerfrühstück, Espresso und Porridge, als sich das ganze Dorf gestriegelt und in Sonntagstracht vor uns versammelte. Fahnen wurden aufgezogen und die lokalen Autoritäten hielten Ansprachen. Es schien eine regelmäßiger Montagsappell zu sein. Wir waren überrascht, die Yocallaner von uns nicht weniger und es gab ein gegenseitiges Aus-den-Augenwinkeln-beobachten mit 200 Beteiligten. Das war schön und wir machten uns bester Laune an die Kletterei des Tages.
eiskalte NächteAus Gründen, die wir nicht mehr nachvollziehen können, waren wir am späten Nachmittag der Meinung unser Tagesziel unmöglich noch erreichen zu können und unbedingt sofort in einem ausgetrockneten Flußbett zelten zu müssen. Da die Tagesetappe nicht riesig war hatten wir wenig Wasser dabei. Wir mussten zum ersten Mal auf der Reise rationieren. Das war aufregend, auch wenn eigentlich nur das Geschirrspülen ausfiel. Es war ein wunderschöner Platz und der unglaublichste Sternenhimmel. Leider fiel die Temperatur mit Sonnenuntergang gegen sechs auf den Gefrierpunkt und weiter. Wir mussten uns ins Zelt flüchten, dort konnten wir erst um sieben am nächsten Morgen wieder heraus, vorher war es zu kalt. Dreizehn Stunden im Schlafsack sind ziemlich lang, Sternenhimmel hin oder her, das war die letzte Nacht im Zelt auf dem Altiplano. Trotzdem ist es der Schönste-Campingplatz-Bisher ™. Drei Kilometer weiter erreichten wir das vermeintlich unerreichbare Ventilla. Es sah nicht sehr gastlich aus. Berge von Müll, staubige Neubauhütten und eine Mautstelle, das fasst es ganz gut zusammen. Wir waren doch ganz froh ob unseres navigatorischen Kunststückchens und der Nacht im Flußbett.
Kurz hinter Ventilla durften wir auf 4500 Meter rauf, den höchsten erradelten Punkt der Reise. Mir ist über 3500 Metern immernoch nicht wohl, umso mehr freue ich mich auf ein ausgiebiges bergab die nächsten 80 Kilometer. Ja, genau.
Am Ende der Abfahrt liegt Challapata. Ein weiteres unspektakuläres Dorf mit kleine Herde Frühstück in Poopoausschließlich no-frill-Hotels. Zimmer, in denen man nichts berühren mag und als erstes seinen Schlafsack ausrollt, nennen wir Schlafsackzimmer. Heute haben wir wieder eins. Es gibt Huhn mit Reis im örtlichen Comedor und keine Dusche. Wenigstens sind wir jetzt im planen Altiplano und das Höhenprofil ist vorläufig eine Waagerechte. Die nächsten 60 Kilometer nach Poopo sind ein Kinderspiel entlang des Lago Poopo. Alle paar Kilometer kommen wir an einer gemischten Miniherde vorbei. Meist hütet eine ältere bis steinalte Frau etwa 10 Tiere unterschiedlicher Gattungen, einige Kühe, einige Schafe und einige Lamas. Abgesehen davon ist wenig zu sehen aber sehr gut zu fahren. Unser pubertärer Sinn für Humor treibt uns zum Lago Poopo und zum Lago Titicaca mit Übernachtung in Poopo Stadt. Poopo Stadt ist wirklich für die Füße. Wir machen uns große Hoffnung als wir die Plakatwände mit Werbung für das Hotel Poopo sehen. Mit Piscina Olimpica, unsere Erwartungen sind hoch. Leider hat das Hotel nicht mal fließend Wasser, unser Zimmer ein Fenster zum Flur und das Hotel ist für seine kurze Bestandszeit unglaublich verrottet. Wieder keine Dusche, wieder Schlafsack und zum Abendessen… Huhn mit Reis.
Wären die Leute nicht so wundervoll fänden wir Bolivien sehr anstrengend. Untypisch früh am Morgen geben wir unserem Fluchtinstinkt klein bei und frühstücken auf dem zentralen Plaza vor der letzten Etappe nach Oruro. Es gibt keine Steigung mehr, mal ist der Lago zu sehen und mal nicht, die Etappe fährt sich super und ist unspektakulär. Oruro ist eine Industriestadt, entsprechend mühsam ist die Einfahrt mit dem Fahrrad entlang endloser Lastwagenkolonnen. Bemerkenswert war nur, dass wir mal wieder Radfahrer getroffen haben. Wir dachten schon wir sind die einzigen hier. Von ihnen bekamen wir auch die tolle Empfehlung ins Hostal Garcia zu gehen. Wir bezogen unser kleines Zimmer mit Dusche und sauberem Bett. Natürlich gab es auch ein sicheres Plätzchen für die Räder. Für das Abendessen folgten wir der Empfehlung

Markt in Orurodes Rezeptionisten für ein typisch bolivianisches Restaurant. Alles außer Huhn mit Reis war unsere Vorgabe und tatsächlich stand das dort nicht auf der Speisekarte. Es gab auch gar keine Speisekarte. Auf den meisten Tellern der Gäste lag ein sauber abgenagter Schafskopf inklusive Zähnen. Das konnte ich nicht. Wir sind in das Restaurant nebenan gegangen, dort gab es sechs Gerichte zur Auswahl. Wir nahmen die, deren unscharfe Fotografien am wenigsten nach Innereien oder Köpfen aussahen und bekamen andere, uns unbekannte Teile vom Schaf und dazu eine Suppe, die ich am besten als Essenz vom Bock beschreiben kann. Die typisch bolivianische Küche ist wohl eher etwas für Kenner. Wir sind Banausen und essen bis auf Weiteres Huhn mit Reis, das ist irgendwie auch sehr typisch.
Wir hatten wenig Bedarf zwischen der Industriestadt Oruro und der Großstadt La Paz mit dem Fahrrad zu fahren. Nach einem Pause-, Organisations- und Waschtag in Oruro kauften wir uns ein Ticket und nahmen den Reisebus nach La Paz. Es schien eine gute Entscheidung zu sein, die Strecke war öde und es reihte sich eine Baustelle an die andere. Bis La Paz. Die Einfahrt nach La Paz ist so ziemlich das Spektakulärste was wir je gesehen haben und wir bereuten fürchterlich im Bus zu sitzen.

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Bolivia 2 – falling in love

So much has happend and so little has been written about it. Our blog seems to be left alone, but this is not true. We will update bit by bit, starting with our tour from Potosi to La Paz.

Wieder alleinLeaving PotosiOne four-star-week in Potosi has passed and we were extremely relaxed and had itchy feet. Only Potosi tried to keep us by confusing roading and mad signpostting. For hours we were curving around minicabs, marked cards, lorries, SUV and everything without catalytic coverters. Finally we were ready to give in to the unavoidable: to be run over while suffocating. Luckily the great vastness of the Altiplano was just around the corner and we were almost alone finally.
The hours in and out of Potosi and the steep hills afterwards have kept us up, it was farely late when we reached the village Yocalla, 40 kilometers away from Potosi. There are not many tourists in Yocalla, for good reason. And there is no accommodation. Only cyclists who want to postpone the 1000 meter climb for a day consider an overnight stay. The people in Bolivia are extremely nice and no one has to spend the night outside. After a bit of asking around we got a little room next to the church that was equipped with a light bulb and 18 toilets in their original wrapping for one Euro per night. Rather a clean floor than a dirty bed, we slept great that night. Only the question what the people of Yocalla are going to do with so many toilets kept us awake. In the morning we cooked our breakfast, espresso and porridge, on the steps in front of the church when the whole population gathered in front of us, wearing their best clothes. The flag was flown and the local authorities delivered their speaches. It seemed to be a regular thing, a Monday apeal. We were surprised, the people from Yocalla not less. It was a mutual montitoring from the corner of our eyes. This was fun and we started the climb of the day in a very good temper.
eiskalte NächteWe can not remember the reason, but in the late afternoon we were convinced that we would not make the target of the day and that we had to camp right were we were in a dry river bed. The plan for the day was not too ambitious, therefore we carried only little water. We had to rationalize. This was exiting, even if it was only the dishes, that were not cleaned that day. The place was beautiful and starry sky  amazing.  Unfortunately at dusk at six the temperature dropped to the freeze point and below. We had to flee into our tent and had to stay until seven the next morning, it was too cold before. Thirteen hours in the tent is quite long. Starry sky or not, this was the last night of camping on the Altiplano.  But for all that it was the most-beautiful-campside-ever (TM) . Three kilometer behind the camp we reached the unreachable Ventilla. It did not look inviting. Full of carbage, dusty huts an a tollgate, this describes it sufficiently. We were happy to have spend the night outside.
Just after Ventilla we got to climb up to 4500 meters, the highest self climbed point of our journey. Above 3500 meters we still don’t feel that great and were looking extremely forward to the 80 kilometers descent. Yes, 80 kilometers.
kleine HerdeFrühstück in PoopoAt the end of the descent lies Challapata, another village free of any attractions or nice accommodation. There are only no-frill-hotels. We call it sleeping-bag-rooms when we enter the room and try not to touch anything and roll out our sleeping bag immediately. There is one for us today. It is chicken with rice in the local comedor for dinner and no shower. At least we are in the plano part of the Altiplano.  The height profile for following 60 kilometers is horizontal. The way to Poopo is a cakewalk along the lake Poopo. Every few kilometers we pass an old or an ancient lady who is looking after her mixed little flock of cows, lamas and sheeps. There is not much to see apart from this and we enjoy the progress.
Our hopes were high when we saw the extensive advertising for hotel Poopo. The hotel even had a piscina olimpica. The reality hardly ever differed more extreme. The hotel was only about five years old and totally run down. Our bathroom had never been cleanded, but this did not matter as there was no water anyway. The room was dirty and the window facing the hallway. There was no choice, we had to stay the night. No shower again and for dinner it was… chicken with rice in the local comedor. We fled unusally early the next morning to make our own breakfast on the main plaza and left Poopo town kind of in a hurry. It is the little encounters with the extremely nice people of Bolivia that makes our stay so great. Otherwise it would be quite distressing.
The next leg to Oruro is uneventful. Oruro is a industrial town, entering it by bike along endless columns of lorries is drudging. At least we met other cyclists, we thought we were the only ones around there, who recommended wonderful Hostal Garcia. We went there, moved into our little room with a clean bed and a shower. Of course they also had a safe place for the bikes. For dinner we followed a recommendation of the hotel staff for a typical Bolivian
Markt in Orurorestaurant. Everything but chicken with rice was our requirement. And really, there was no chicken with rice on the menu. There was no menu at all. It was a busy place and on most plates was a cleanly gnawed sheeps head. Complete with upper teeth. I could not do it, we had to leave and tried the restaurant next door. They had blurry pictures of a few dishes and we chose the one that looked the least like a head or innards. We got different parts of sheep, we are not sure which, and a soup that can only be described as the essence of ram. The typical Bolivian quisine is rather for the conaisseur. We philistines are going to stick to chicken with rice for a while. This is somehow regional and typical as well.
We did not fancy to cycle from the industrial city Oruro to the capital La Paz. After one day for organizing, washing and relaxing we bought a ticket and took the bus. This seemed to be a great choice, the route was dull and there was serious roadwork going on. Until La Paz. Entering La Paz is one of the most spectacular views I have ever seen. It is simply unreal. We sat in a bus and could only see it through the windows of a bus and were very much not pleased.

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