Bolivien, jenseits der Komfortzone

Humahuaca – Potosi (06. – 21.07.2014 – 507 km, 4.930 hm)
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(see below for translation)
Seit einem halben Jahr touren wir durch Chile und Argentinien. Das ist nun zu Ende, wir sind in Südamerika angekommen. Chile und Argentinien waren wundervoll und im nachhinein recht einfach zu bereisen. Beide Länder sind viel näher an Europa als es auf der Weltkarte aussieht. Bolivien ist anders. Wir sind

02 einer ist anders
die Gringos, wir verstehen noch lange nicht wie was hier läuft. Außerdem ist Fahrradfahren auf 4000 Metern über dem Meeresspiegel viel anstrengender als erwartet. Wir dachten beide, wir würden uns nach ein paar Tagen an die Höhe gewöhnen. Von wegen. Ab ca. 3400 Metern schnaufen wir wie schrottreife Dampfloks und machen alle paar Meter Verschnaufpausen.
Die letzen 150 Kilometer Argentinien haben uns ganz gut vorbereitet. Lehmhütten, Lamaherden, Höhen bis 3700 Metern, Orte mit fast ausschließlich indigener Bevölkerung, Restaurants in denen es nur ein Gericht gibt (Huhn mit Reis), dicke Coca-Backen. Wir dachten so sei Südamerika, es war nur das Vorgeplänkel. Südamerika-light.

Rechtzeitig vor dem WM-Finale Argentinien-Deutschland haben wir es nach Bolivien geschafft. Der Grenzübergang war enorm einfach, einer der unkompliziertesten Grenzübergänge der Reise. In Bolivien tauschten wir unsere übrigen Pesos und machten gleich mal 50% Währungsverlust. So ist das also für Argentinier im Ausland.
Unsere erste Stunde in Bolivien schoben wir, schwer gekulturschockt, unsere Räder durch das unglaublich geschäftige und bunte Villazon und versuchten Lebensmittel einzukaufen und Geld aus einem Geldautomaten zu bekommen. Es gibt keine Geschäfte, wie wir sie kennen, in Bolivien. Das haben wir als erstes gelernt. Buntberockte Frauen mit Bowlerhüten sitzen an der Straßen in kleinen Verschlägen und verkaufen alles Mögliche. Der Nachschub kommt per Handkarren. Irgendwie sind wir zu Bargeld, Wasser und Nahrung (Mortadella und Cracker, war nicht so einfach) gekommen und haben uns schnell auf die Straße nach Norden geworfen.
03 Bolivianische Landschaft
Asphalt unterm Reifen, tolle Landschaft um uns herum und die angeblich so unfreundlichen Bolivianer winken uns freundlich zu. Wir beruhigten uns und freuten uns über Esel, Lamas, Dörfer wie aus der TV-Dokumentation “Südamerika” auf den 85 Kilometern nach Turpiza.
Turpiza ist eine recht touristische Kleinstadt. Von hier kann man sich im Jeep vier Tage durch die Lagunenroute und das Salar Uyuni schaukeln lassen. Wir ergriffen unsere Chance die Lagunenroute doch noch zu sehen, wenn auch aus anderer Perspektive. Flamigos sind Flamingos, also haben wir uns gemeinsam mit zwei vollbärtigen Rucksacktouristen (Franzosen natürlich, ist schließlich Juli), Fahrer und Köchin in den Jeep gesetzt und vier Tage Gruppentour, 08 JeepHöhenkoller – aber rundherum sorglos – getestet. Der Weg ist sogar für Jeeps kaum befahrbar und es geht schnell auf fast 5000 Meter hoch. Unser Wagen war natürlich nicht der einzige. Es halten immer 5 bis 10 an den gleichen Stellen, spucken bleiche Touris aus, die schnell ganz viele Fotos machen. Leute bis 25 Jahre fotografieren sich ausschließlich beim Hüpfen.
Wir waren froh diese Sandpisten nicht mit dem Fahrrad gefahren zu sein und die -20 Grad nachts im Zelt hätten mir auch nicht gefallen, trotzdem war es so mittel. Durch die Autoscheibe ist irgendwie nur wie Fernsehen. Vom Autogeschaukel war uns meist ein bisschen übel, im Auto war es zu warm und draußen zu kalt, dauernd so viele Leute … ich könnte noch stundenlang meckern und bin froh wieder auf dem Fahrrad zu sitzen. Es war trotzdem gut. Wir waren an den Lagunen, im Salar Uyuni, haben Flamingos, Vicunas und einen Bergviscacha gesehen.  Außerdem sind wir von der Radreise überzeugt wie nie.
04 Jeep 1 06 Jeep Flamingos 09 Jeep Geysire 10 Jeep Vicunas

Das Beste an der Jeeptour war die Köchin. Eine Köchin oder einen Koch hätten wir gerne immer dabei. Wenn jemand Lust und Talent hat kann er oder sie sich gerne bei uns melden.
Wieder einmal sind wir froh wieder im Sattel zu sitzen als wir uns von Tupiza in Richtung Potosi aufmachen. Wir sind unsere Erkältungen immernoch nicht ganz los und haben uns für Asphalt entschieden. Wenn schön Höhe dann wenigstens keine Dirtroads. Wir fahren also den Gringo-Trail Potosi-La Paz-Lago Titicaca. Durch unsere geringe Reisegeschwindigkeit lernen wir noch die kleinen Orte unterwegs kennen, in denen nie ein Tourist hält. Es heißt Gringotrail, da die Reisebusse und Jeeps hier durchfahren. Mit dem Fahrrad sieht wieder alles anders aus:
Wir übernachten in Yacalla, wo uns Isaac ein Zimmer in seiner Estancia überlässt, in Cotacaita, wo die minderjährige Bedienung nur Quechua spricht und uns dann glibberige Lamainnereien vorsetzt, in Vitichi, wo die Dusche unter Strom steht um dann endlich in Potosi zu landen.
11 Lamainnereien 12 Stromdusche

Den ganzen Weg über treffen wir wunderbare Leute. Unterhaltungen sind schwierig, da wir wenig Spanisch und gar kein Quechua sprechen, trotzem sind sie immer wieder möglich. Wir kommen an unzähligen winzigen Dörfern vorbei. Technisch ist man hier auf biblischem Niveau. Die Felder werden mit der Hacke und dem Ochsengespann bestellt. Frauen mit Hüten und bunten Röcken hüten kleine Herden aus Schafen, Kühen und Lamas. Meist sind alle drei Spezies vertreten. Es gibt wenig Privatwagen. Wer einen hat nimmt immer Leute auf dem Weg mit, die dann dafür etwas bezahlen. Die Straße ist gesäumt von zerfetzten Reifen und Kreuzen. Wenn das Profil weg ist, kann man in einer der zahlreichen Gomerias neues aufkleben lassen. Wir haben den Eindruck, dass das nicht immer eine gute Idee ist. Den Führerschein macht man hier fix innerhalb einer Woche für umgerechnet 50 Euro. Praxisunterricht gibt es nicht. Die beiden wichtigsten Teile eines Bolivianischen Fahrzeugs sind die Amaturenbrett-Puscheldecke und die Hupe. Wahrscheinlich beschäftigt man sich in der Woche Fahrschule hauptsächlich damit. Wir sind sehr glücklich über den kleinen Seitenstreifen, den es den ganzen Weg über gibt, und darüber, dass wir nicht Bus fahren müssen.
Als wir in Potosi ankommen ist es bereits acht Uhr, dunkel und kalt. Wir sind ziemlich überfordert mit den engen, steilen Straßen voller Fußgänger, Autos und Handkarren. Nach dem dritten vergeblichen Versuch eine Herberge zu finden geben wir auf und mieten uns im nächsten 4-Sterne-Hotel ein. Kann man ruhig mal machen.

Bolivia – outside of our comfort zone

For more than half a year we were touring Chile and Argentinia. This is over now, we finally arrived in South America. Chile and Argentina are mindblowingly wonderful an, in retrospective, easy to travel. Both countries are far closer to Europe than it looks on the map. Bolivia is not.

02 einer ist anders

Here, we are the Gringos, we have a long way to go to understand how things work here. In addition to this, cycling in an altitude above 4000 m is much more exhausting than we expected. We thought we would get used to the height within a few days. So wrong. Anything above 3400 meters still makes us sound like ancient stream trains. We need to take a break to catch out breath every few hundreds of meters. After half a year of cycling this is a little frustrating. Nevermind, the last 150 kilometers of Argentina have prepared us. Adobe huts, lamas, hights up to 3700 meters, almost only indigenous people, restaurants with only one dish on offer (chicken and rice), coca-cheaks. We thought this looks like South America at once, it is going to be like this from now on. It was only South-America-light.
Just in time before the footbal championship final Argentina vs. Germany we made it into Bolivia. Crossing the border was extremely easy this time. The easiest border crossing so far. In Bolivia we changed our last Pesos and lost nearly 50% in value. This is what it is like for Argentinians abroad now.
We spend our first hour in Bolivia in cultural shock, pushing our bikes through the incredibly busy and colourful Villazon, trying to buy food and get money out of a cash point. There are no shops like we know them in Bolivia. Women in colourful skirts with bowler hats on their heads sit on the street or in small booth and sell almost everything. Fresh supply is delivered by hand cart. Somehow we managed to get money and food (crackers and mortadella, it was not easy) and threw ourselves on the road to the North.

03 Bolivianische Landschaft
The wheels back on the asphalt, riding though an amazing landscape, people on the way waving at us, we calm down and enjoy the sight of donkeys, lamas and villages like just out of the TV documentation “South-America”. We fly the 85 kilometers to Turpiza.
Turpiza is a fairly touristy town. From here, one can book 4-day-tours in a Jeep through the laguna route and the Salar Uyuni. We seized the chance to see the lagunas after all, even if from a different perspective. Flamingos are Flamingos, we thought and climbed the jeep together with two bearded travellers (French, it is July), a chef and a driver to a group trip, 08 Jeepaltitute sickness included but nothing to worry about. Even for the jeep the way was tricky and we quickly climbed up to 5000 meters. Of course we were not the only group. In every pretty spot 5 to 10 jeeps stop, spit out pale tourists who immediately start to take pictures. People who are younger than 25 only photograph each other while they jump. Very funny to watch.
We were glad not to have tried this tour by bike. I also would not have liked the -20 Centigrades at night in a tent. Nevertheless we did not like it too much.
Most of the time we were slightly sick from sitting in the rocking car. Through the windscreen everything did not look live, more like on TV. It was too hot in the car and too cold when we got out. There were so many people everywhere … I could add a lot of complaints but we are still happy that we have done it. We have been at the lagunas, on the salar, we have seen flamingos, lamas, vicunas and a viscacha and we are more convinced about bike travel than ever before.

04 Jeep 1 06 Jeep Flamingos 09 Jeep Geysire 10 Jeep Vicunas

The best was the chef. We really like the idea and would not mind to have a chef with us all the time. If someone is interested and talented please contact us.
Happy to be back on our own wheels we left Turpiza in the direction of Potosi. We are still suffering from colds and decided to go on the asphalt roads. If we have to do the heights than we don’t want to do it on dirt roads. We are taking the gringo-trail  Potosi-La Paz-Lago Titicaca.
Due to our slow speed we get to know the little villages on the way in which no tourist ever stops. It is called gringo-trail because the tourist busses and jeeps rush through here. With bikes rushing-trough rarely ever happens.
We stay over night in Yacalla, where Isaac leaves a room of his estancia to us, in Cotacaita the under age waitress speaks only Quechua and finally serves us slimy lama innerds for dinner, in Vitichi, where the shower electricutes us before we finally reach Potosi.

11 Lamainnereien 12 Stromdusche

All the way we meet wonderful people. Conversations are difficult, we speak only little spanish and no quechua, they happen never the less. We pass numerous tiny villages. Technically they are on the level of the bible. Farmwork is manual work, fields are tilled with picks and oxcards. Women with great bowlerhats and colourful skirts herd small flocks of sheep, cows and lamas. Mostly all of them at once. There are very few private cars. Who owns a car is automatically a taxi and picks up people on the way who pay for the ride. Along the streets are a lot of wheels in shreds and shreins. If the profile of a tire is gone one can consult one of the gomerias to get a new one attached. This is not allways a good idea. It is easy and cheap to get a driving licence here. One pays 50 Euro and goes to five lessons (only theory) and finally takes a 30 min test. The two parts a bolivian car can not be without is the cuddly-colorful blanket on the instrument panel and the horn. These are probably the subjects of the five lessons, the drivers here are absolutely crazy. We are very grateful for the small kerb and for the fact that we don’t have to take the bus.
It is cold and dark by the time we arrive in Potosi. The super narrow streets are full of people and cars. We have some problems finding accommodation and quickly give up and take the next 4 star hotel. This is nothing to be ashamed of.

 

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