Die Auto-Stopp-Etappe

Wir waren richtige Touristen in Punta Arenas. Mit der Karte in der Hand brausten wir durch die Sehenswürdigkeiten. Das war schön, wir waren aber mächtig froh wieder auf die Räder zu steigen. Inzwischen sind die am meisten betroffenen Körperteile auch nicht mehr so unzufrieden und geben Ruhe, was den Spaßfaktor erheblich erhöht.
Da wir die Erfahrung gemacht haben, dass der Wind oft erst gegen elf so richtig loslegt wollten ihm ein Schnippchen schlagen und schon um sieben Uhr losfahren. Wir hatten nicht ganz bedacht, dass wir dazu um sechs Uhr hätten aufstehen müssen. Das war ein kleiner Fehler in der Planung, kann ja mal passieren. Als wir dann um halb neun tatsächlich bereit waren loszufahren hatten wir unseren ersten Platten. Das mit der Planung üben wir noch.
Zum Glück war der Wind gnädig und hat uns angenehme und unspektakuläre 70 Kilometer durch die Pampa fahren lassen. Einem einigermaßen schönen Platz hinter einer schutzgebenden Böschung konnten wir nicht widerstehen und schlugen unser Zelt auf. Wir haben gelernt, dass solche Plätze selten sind.
Obwohl wir früh, dieses Mal wirklich früh, wieder auf den Rädern waren gab die “dumme Socke” (einer der milderen Namen für Gegenwind) mächtig Gas und ist einfach stärker als wir, da brauchen wir uns nicht viel vormachen. Offenbar machten wir einen derart erbarmungswürdigen Eindruck, dass der Besenwagen in Gestalt eines Straßenarbeiters anhielt und anbot uns mitzunehmen bis zu seiner 40 km entfernten Baustelle. Das sparte uns einen eher nervigen Tag, dankbar nahmen wir an. Ich saß wieder in der Mitte und übte radebrechend spanische Konversation. Ich möchte nicht hören wie das in den Ohren eines Einheimischen klingt. Gut ist, dass die Leute hier sehr freundlich sind und mich nicht auslachen oder rauswerfen.
freundliches BushäuschenWieder im Sattel hangelten wir uns drei Stunden und 20 Kilometer lang von Bushäuschen zu Bushäuschen, bis die Schokolade drohte auszugehen. Die Landschaft gab gar nichts her und ich verstehe gut warum so viele Radfahrer in Richtung Norden diese Etappe mit dem Bus nehmen.
Wir haben es bald geschafft einen Lieferwagen anzuhalten, der bereit war uns bis nach Puerto Natales mitzunehmen. Zuvor hatte er Pferde zu einer Estancia gebracht. Die Fahrt hat die Pferde wohl etwas nervös gemacht und sie hatten einiges hinterlassen. Den Ortlieb-Taschen macht das zum Glück rein gar nichts, wir haben unsere Sachen in den Mist geworfen und sind losgebraust. Für etwa zwei Kilometer, dann gab es einen lauten Knall und dann standen wir. Der freundliche Fahrer verschwand mehrfach unter seinem Wagen und kam jedes Mal ölverschmierter wieder rauf. Stefan lernt chilenische KraftausdrückeWährend er unter dem Wagen lag hat er laut geschimpft. Es ging viel um Putas (Huren) und deren Kinder. Ich glaube aber nicht, dass eine Prostituierte oder ihre Familie etwas mit dem Motorschaden zu tun hat. Stefan und ich haben sogar versucht den Lieferwagen anzuschieben. Wie gut das funktioniert hat brauche ich vermutlich nicht zu schreiben.
Zwei recht lange Stunden später kam sein Sohn mit seinem großen Pickup, wie sie hier viele fahren, war etwas überrascht, hat uns trotzdem alle mitgenommen und direkt vor einer Herberge abgesetzt. Puerto Natales ist derart unspektakulär, dass wir am liebsten gleich weiter gefahren wären. Leider mussten wir einiges besorgen und daher zwei Nächte bleiben. Da wir wieder sehr nette Leute getroffen haben war das nicht unangenehm. Es sind immer wieder die wunderbaren Begegnungen, die das Reisen so phantastisch machen.

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