Genussradeln in die Berge und Gletscher

Zelten in Cerro Castillo

Nach einem überraschend wenig windigen Genussradeltag kamen wir nach Cerro Castillo (Schlossberg- das muss ironisch gemeint sein). In Cerro Castillo gibt es jede Menge Infrastruktur für eine funktionierende Gemeinde, allein es fehlen die Einwohner. Wir wussten von anderen Radfahrern, dass wir eventuell auf dem total überdimensonierten Spielplatz zelten und uns im Kiosk für den Torres-Abstecher mit Lebensmitteln eindecken könnten. Dieser Spielplatz ist komfortabler als viele Campingplätze und der freundliche Dorfpolizist hat uns ausdrücklich erlaubt dort zu lagern. Es traf sich gut, dass wir den nächsten Tag erholt angehen konnten.

nach dem "härtesten Tag bisher" der "schönste Campingplatz bisher"

Es wurde der “härteste Tag bisher”. Die ersten 30 km flogen wir über Asphalt, dann schlechten Schotter und sobald es bergig wurde begann der Schotter-from-Hell (dazu setzte pünktlich heftiger Gegenwind ein). Die Steigungen wurden über den kürzest möglichen Weg bewältigt (Stefan: “Wer baut den sowas? Kennen die keine Kehre?”). Wir haben viel geschoben und geschimpft und uns dabei über die unglaubliche Landschaft gefreut. Die Tiere hier sind Menschen gewohnt und stufen sie als ungefährlich ein, sie ignorierten uns also weitgehend. Wir fuhren durch Guanakoherden, wurden dabei von Nandus neugierig beobachtet während über uns Condore kreisten.

Die Torres sind unglaublich schön und sehr gut besucht. Wir haben einige wunderschöne Wanderungen gemacht. Es war unglaublich schön, aber doch sehr gut besucht. Uns stand die Schotterpiste-from-Hell ein zweites Mal bevor, als wir uns am übernächsten Tag wenig euphorisch auf den Weg zum zweiten Camp in den Torres machten. Diese Sorge war unbegründet, da der wunderbare chilenische Straßenbau sich inzwischen des Ganzen angenommen und das Drama in eine Superpiste verwandelt hatte. Wir haben die nächsten Stunden auf dem Weg zum Camping Torres Loblieder über den chilenischen Straßenbau geträllert. Camping Torres ist das Basislager der Bergsteiger für die großen Touren durch die Torres del Paine. Als wir am nächsten Morgen gemütlich um 10 Uhr aufbrachen waren noch recht viele der Bergsteiger mit der Morgentoilette beschäftigt und die Damen noch nicht damit fertig ihr Makeup aufzulegen. Be hot for the mountain.
Ich habe mir ein Basislager bisher anders vorgestellt und warte jetzt auf die nächste Begegnung mit Steigeisen in der Cocktailbar.

Baracke

Auf der Fahrt nach El Calefate war es dann soweit: Rückenwind. Heftiger, wunderbarer, einzigartiger, liebenswerter, schöner, toller, perfekter Rückenwind. Nach 1000 km Gegenwindgeschimpfe ein einziges süßes Lächeln auf den Lippen ließen wir uns 2 Stunden auf schönstem Asphalt einfach schieben und schwub-die-wub waren wir in Tapi Aike. Ein wunderbarer Ort. Wind, Sand, eine Tankstelle und sonst ….nichts.
Also galt: den Schwung ausnützen und gleich auf die Schotterpiste links einbiegen denn eventuell schaffen wir ja noch gleich die 70 Kilometer bis zu einer vielbeschriebenen Straßenmeisterei, die Radfahrer in einer alten Bauarbeiterbaracke windgeschützt übernachten lässt.
Es war leider nichts mehr mit Schwub-die-wub…..es war die übelste Piste die wir jemals in unserem Leben gesehen haben. Pollersteine groß wie Kindsköpfe ragten aus der Flussbett-ähnlichen Piste. Dazwischen gemeiner Schotter, Sand und so weiter. Es war ein Teufelsritt. Durch Sturheit und Tunnelblick haben wir es bis Einbruch der Dunkelheit geschafft das Ziel zu erreichen. Das war “der härteste Tag bisher” aber Ende gut- alles gut.

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