Pause in Punta Arenas

Wir haben viel über Feuerland gehört und können bestätigen: Ja, es ist wild. Ja, es ist einsam. Ja, die Leute sind großartig. Ja, der Wind ist fürchterlich.

Drei Tage waren wir in Rio Grande. Obwohl Rio Grande überhaupt keine Reise wert ist war es schön Luft zu holen, bevor wir losgesprungen sind. Zwischen Rio Grande und San Sebastian (Argentinien) sind 81 km Landschaft. Sonst nichts. Nur Landschaft und Wind.
Wir waren noch optimistisch diese Distanz, bei günstigen Verhältnissen, an einem Tag zu fahren. Im schlechtesten Fall bräuchten wir zwei Tage, so dachten wir.
Wir haben seither viel gelernt.
Am ersten Tag fuhren und schoben wir 25 km und hatten große Mühe einen einigermaßen windgeschützten Platz zu finden um unser Zelt aufzustellen. Eine Estancia bewahrte uns davor, unter einer Brücke zwischen Pferdeäpfeln und einem verwesenden Fuchs zu übernachten.
Am nächsten Tag konnten wir wieder fahren, der Wind hatte etwas nachgelassen, dafür hat es heftig geregnet. HundZwei große Schäferhunde fanden unsere kleine Reisegruppe so interessant, dass sie 20 km mit uns gelaufen sind. Sie waren sehr freundlich, wollten jedoch partout nicht von uns lassen. Wir mussten schließlich Steine nach ihnen werfen, natürlich ohne sie zu treffen, um deutlich zu machen dass wir keine weiteren Reisegefährten brauchen.


Den ganzen Tag operierten wir an unserer Leistungsgrenze, kamen dennoch patschnass und mächtig stolz in San Sebastian an. Die wasserdichten Handschuhe waren nach einer Stunde durchnässt, brauchten dann drei Tage um wieder zu trocknen. Ich hätte die wasserfeste Schicht lieber außen. In der Raststätte an der Grenze bekamen wir ein trockenes, geheiztes Zimmer und ziemlich fettiges Essen. Das war himmlisch.
Von San Sebastian (Argentinien) nach San Sebastian (Chile) sind es nur 17 km. Wieder gegen den Wind brauchten wir zwei Stunden. Über die chilenische Grenzen dürfen die meisten Lebensmittel (Obst, Fleisch, Käse, etc.) nicht mitgenommen werden. Ich möchte sagen, die Chilenen leiden unter einer regelrechten Phobie. An der Grenze selber kann man lediglich Kekse, Schokolade und chinesische Schnellnudeln kaufen. Entsprechend schlecht waren wir mit Lebensmitteln ausgestattet.
Hinter der Grenze gab der Wind dann nochmal Schub, wir sind 8 km in 2 Stunden vorwärts gekommen. Wieder plane Landschaft ohne Windschutz und jetzt auch noch mit unzureichender Versorgung an Lebensmitteln. Schließlich kamen wir noch an Minenfeldern vorbei, das hat unseren Durchhaltewillen für den Tag gebrochen. Wir drehten um und flogen die 8 km in 15 Minuten zurück. Neben der Raststätte im chilenischen San Sebastian durften wir zelten. Statt Sport gab es an dem Tag Steak und Wein.
Statt Radfahren
Am nächsten Morgen um 7 Uhr hatte der Wind nachgelassen, wir kamen gut vorwärts und haben mal ein Tagesziel erreicht, eine Königspinguinkolonie bei der Radreisende ihr Zelt aufstellen dürfen. Das wurde die bisher tollste Übernachtung unserer Reise. Die ganze Nacht nur Meeresrauschen und Pinguingesänge.Pinguine bei Nacht
Wir müssen uns noch daran gewöhnen, dass die Versorgungsstationen hier sehr weit auseinander liegen und wir etwa dreimal mehr essen müssen, wenn wir den ganzen Tag Fahrrad fahren. Keinen Schutz in Sicht und wenig Essen dabei, so hat der Wind ein weiteres Mal gegen uns gepunktet. Wir machten eine weitere Bekanntschaft mit der außerordentlichen südamerikanischen Hilfsbereitschaft. Ein junger Mann hat seinen (Linien-) Bus mit uns beladen und ist in einem Höllentempo durch atemberaubende Landschaft bis kurz vor Porvenir gerauscht. Weiter nicht, das hätte Ärger mit seinem Jefe gegeben. Unsere erste chilenische Stadt. Porvenir ist klein, niedlich, freundlich und es gibt wenig zu tun. Am nächsten Tag verließen wir Feuerland. Auf der Fähre nach Punta Arenas kann man häufig Delphine sehen. Schade, wir nicht.
Wir sind seit zwei Tagen in Punta Arenas, besichtigen dieses und bereiten uns auf unser nächstes Rennen gegen das Wetter vor. Diesmal nehmen wir soviel Essen mit, wie wir tragen können und schauen uns erst gar keine Wettervorhersage an. Wetter gibt es hier unten immer reichlich und jeden Tag vier Jahreszeiten.

 

 

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