Regen im Regenwald und unsichtbare Gletscher

Mitte März, es wird früher dunkel, die Gladiolen zeigen nochmal was sie können, das Laub färbt sich rot, der Sommer geht zur Neige. Verkehrte Welt. Wir hatten sehr schöne Tage in Coyhaique und haben Anita, Heiner und Tom kennengelernt. Wir haben den gleichen Weg, das gleiche Tempo, verstehen uns gut und sind zum ersten Mal als Gruppe unterwegs. Besonders in Ausfahrt Coyhaiquekulinarischer Hinsicht beeinflusst das unseren Reisealltag sehr. Es müssen nicht immer Nudeln sein.
Durch das regnerische Wetter wirkt die Umgebung hinter Coyhaique verzaubert. Es ist sehr grün, die Wolken fangen sich in den Bergen und überall sieht man Regenbögen. Ein ganz besonderer Fahrradtag.
Unser Etappenziel heißt Manihuales. Jorge betreibt dort ein Casa de Ciclista. Das bedeutet, dass er einen Teil seines Hauses durchreisenden Radfahrern kostenlos zur Verfügung stellt. Er bietet zwei Räume, ein Bad und eine Küche. Wir treffen viele Radfahrer aus aller Welt. Die Stimmung ist äußerst freundlich, wir tauschen uns aus, kochen ein bisschen und rollen dann unsere Mättchen auf freien Plätzen auf dem Boden aus. Morgens packen zehn Leute ihre etwa fünfzig Fahrradtaschen in zwei Räumen. Das ist verrückt, klappt aber irgendwie.
SiestaEs ist ein Regenjacke-an – Regenjacke-aus – Tag. Wir finden genug Sonne für eine ausgiebige Siesta und kommen Dank Regenkleidung einigermaßen trocken in das nächste Örtchen, Villa Amengual. Die Dörfer an der Strecke sind alle noch recht jung. Offensichtlich sind Fördermittel für überdimensionierte Strukturmaßnahmen und mehrsprachige Schilder geflossen. Was die Leute, die dort wohnen, eigentlich machen ist mir schleierhaft. Viele betreiben Hospedajen in ihren Häusern, außer Radfahrern ist jedoch niemand gezwungen dort zu halten. Ohne wirklich zwingenden Grund würde man das nicht tun. Es gibt wieder Panaderias, die kein Brot verkaufen (man hat bessere Chancen dort Badezimmerschränke zu bekommen), jede Menge streunender Hunde und alle fahren Pickups. Da es heftig anfängt zu regnen müssen wir einen Tag länger bleiben. Mit Heiner haben wir einen sprachkundigen Begleiter, der die Dame unserer Hospedaje davon überzeugt uns ihre Küche zu überlassen. Das ist alles etwas improvisiert, aber nicht ungemütlich. Trotzdem sind wir froh am übernächstenRegenwald Tag weiter zu können. Wir kommen in den Regenwald, das Wetter passt gut dazu. Im Nationalpark Queulat hoffen wir den hängenden Gletscher Colgante zu besichtigen. Auf der Hinfahrt erhaschen wir einen Blick, aber als wir uns nach einer durchregneten Nacht auf dem Campingplatz auf den (tollen) zwei Stunden Marsch durch den Regenwald gemacht hatten, zeigte sich der Gletscher nicht mehr. Verschämt hielt er sich im dichten Nebel, er wird schon wissen warum. Stefan wollte bleiben, schließlich ist das der angebliche Höhepunkt jeder Chilereise, und den Gletscher aus der Nähe sehen. Das Wetter überzeugt schlußendlich, wir fahren nach Puyuhuapi, der regenreichsten Siedlung Chiles unter ein festes Dach. Zusammen mieten wir uns ein gemütliches Ferienhäuschen und gehen Kaffeetrinken. Die sudetendeutschen Gründerväter

schnell noch was richten, morgen geht es los

haben eine Kaffe und Kuchenkultur mitgebracht, inklusive Obstkuchen und richtigem Kaffee (chilenischer Standard ist Nescafe). Glück kann so einfach sein.
Wir warten noch ein bisschen auf besseres Wetter und Stefan gelingt es schließlich noch den Gletscher zu fotografieren.

hängender Glescher im Sonnenuntergang

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